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Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! (2. Kor 13,13)

Liebe Leserin, lieber Leser,

zum Sonntag Trinitatis grüße ich herzlich.
Was aber ist Trinitatis?

Bei der Sendung „Wer wird Millionär“ – könnte eine der Rätselfragen lauten:
„Was ist Trinitatis?
a) Eine Kirche aus dem 16. Jhdt. im zentralen Stadtviertel in Rom?
b) Ein Triathlon, der auf drei nahe beieinanderliegenden griechischen Inseln in der Ägäis ausgetragen wird? (Milos, Kimolos, Polyegos)
c) Eine Musikkomposition, die den Tritonus, eine übermäßige Quarte, zum melodiösen Konzept erklärt?
d) Ein kirchliches Fest, das nicht von einer biblischen Geschichte, sondern von einer Idee inspiriert ist?“

Sollten sie bei einer möglichen Antwort a) gewählt haben, liegen Sie nicht ganz falsch, gibt es doch tatsächlich eine Kirche mit dem Lateinischen Namen Sanctissimae Trinitatis Peregrinorum im Zentrum von Rom ... – doch a) wäre als gesuchte Antwort falsch.
Sollten Sie an b) denken, ist möglicherweise das Fernweh und die Lust an Bewegung der Wahrheit näher.
Bei der Antwort c) reizt der Tritonus musikalisch so sehr, dass er alles andere in den Schatten stellt.

Wir begnügen uns also mit der Antwort d) und fragen nach der Idee, die diesem merkwürdigen Fest-Sonntag zugrunde liegt.
Immerhin beziehen sich die Sonntage des Evangelischen Kirchenjahres in den folgenden Monaten auf diesen Sonntag.

Trinitatis nach dem letzten hohen kirchlichen Fest ist dem Zusammendenken der drei großen kirchlichen Feste gewidmet:
Weihnachten als das Fest der Liebe, die konkrete Gestalt gewinnt und sich mit den Menschen verbindet, Ostern als das Fest der Kraft, die Schuld vergibt, Böses überwindet und ins Leben ruft, und Pfingsten als die Kraft, die Gemeinschaft stiftet und in die Nachfolge ruft. – Gottes Kraft in dreifacher Weise: Als Schöpferin und Schöpfer, als Teil der Schöpfung, als Fülle der Beziehungen.
In der Sprache der Tradition heißt es: Gott offenbart sich in dreierlei Weise, als „Vater“ als „Sohn“ und als „Heiliger Geist“.
„Als Vater erwählt sich Gott ein Volk, als Sohn nimmt er sich des Schicksals aller Menschen an, bezieht schließlich in jeder einzelnen Wohnung: als Begeisterung, als Tröster und als Liebeskraft. Gott ist reine Beziehung – zu der Welt und in sich selbst. Niemand ist von seiner Gegenwart ausgeschlossen. Gott kann und will nicht für sich sein. Ein Ausdruck dafür ist seine Dreieinigkeit.“ (lit. Kalender der bayrischen Landeskirche)

Wie auch immer wir nach Antworten zu der Frage nach Trinitatis suchen, wir umkreisen stets die Idee, dass Gott Geheimnis bleibt, mit jedem einzelnen Menschen verbunden ist und zugleich konkrete Gestalt gewonnen hat in Jesus Christus – und darin immer wieder neu Gestalt gewinnt: In jedem Suchenden, jeder Leidenden, jedem Armen ist es gegenwärtig, das Göttliche – und auch in dem „Leib der Kirche“ könnte Christus stets neu Gestalt gewinnen ...

Die Sonntage, die dem Sonntag Trinitatis nachfolgen, beziehen sich in jedem Fall auf die Fülle der drei kirchlichen Feste und damit auf eine Vollendung, die in Gott gedacht ist und uns Menschen hineinnimmt in eine Bewegung ...

Bei Bewegung liegt vielleicht jetzt doch ein Triathlon näher als Trinitatis, oder es überzeugt der Besuch einer vom Barock ausgemalten Kirche mehr als theologische Erörterungen ... Selbst ein Tritonus könnte auf den ersten Blick spannender sein als das Fest Trinitatis, doch nimmt sich die Kirche ja Zeit, in all den Sonntagen nach Trinitatis die Fülle auszuloten.

Nachdem wir Gottesdienste unter Corona-Bedingungen ausgelotet haben, beginnen wir einen neuen Alltag und laden behutsam ein zu einem Neustart von Gruppen und Kreisen.
Wir blicken voraus in einem Gemeindebrief, der Ende Juni erscheinen wird und von dem wir nicht wissen, ob alles bis zum Oktober seine Gültigkeit behalten wird, aber wir planen und sind zuversichtlich.

Mit der Wiedergewinnung des Alltags beginnen wir am Sonntag nach Trinitatis. Hier teilen wir Predigt- und Lektorendienst und gestalten so die Fülle und Vielfalt von Mitwirkung und Verkündigung.
Am Sonntag Trinitatis gilt noch etwas die „Ausnahme“, weil wir den Gottesdienst um 18 Uhr geplant haben. Am Sonntag, 7. Juni findet also morgens kein Gottesdienst statt.

Stichwort: „Wiedergewinnung des Alltags“ – Das nächste Friedensgebet findet nach langer Zeit tatsächlich wieder in der Süsterkirche statt. Es steht unter der Überschrift: „Heilige Mutter Erde“  – und beschäftigt sich mit den Gebietsannexionen in Israel, die durch die Regierung Trump gedeckt werden, aber völkerrechtswidrig eine Enteignung von Menschen auf ihrem traditionellen Grund und Boden darstellt. Ein Konflikt ist vorprogrammiert – um Frieden wollen wir beten.

Mit der Wiedergewinnung des Alltags kommt auch die Zeit, die wöchentlichen "Newsletter extra" einzustellen. Ein Newsletter für jeden Monat wird reichen.
Bei allen Leserinnen und Lesern bedanke ich mich für die Aufmerksamkeit, die Rückmeldungen und die Ermutigungen.

Eine Rückmeldung findet sich als Gastbeitrag in diesem Brief, eine Übersicht über die nächsten Gottesdienste und Gruppentreffen in der Kirche ebenso.
Wir werfen mit dem Hinweis auf eine kommende Predigtreihe einen Blick voraus auf die Zeit der Sommerferien ...
Bis dahin wünsche ich uns allen eine gute und kraftvolle Zeit und grüße herzlich!

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! (2. Kor 13,13)

Ihr

Bertold Becker


Überblick über diesen Newsletter:
  1. Inhalt
  2. Gottesdienste im Juni
  3. „Kirche – (m)eine Zuversicht?“ Eine Predigtreihe in den Sommerferien
  4. Pandemie – einst und jetzt
  5. Konfiarbeit in Süster
  6. Gruppen und Kreise
  7. Gottesdienste mit Schutzkonzept
  8. Spendenaktion des Stadtkantorats für freischaffende MusikerInnen

2. Gottesdienste im Juni

Sonntag, 7. Juni, Trinitatis
18 Uhr Gottesdienst
Musik: Ruth M. Seiler
Predigt: Bertold Becker
Kollekte: Für besondere Aufgaben evangelischer Schulen in der EKvW

Sonntag, 14. Juni, 1. So. nach Trinitatis
10.15 Uhr Gottesdienst
Musik: Peter Ewers, Orgel
Bläserinnen und Bläser vor der Kirche
Predigt: Superintendentin i.R. Regine Burg

Sonntag, 21. Juni, 2. So. nach Trinitatis
10.15 Uhr Gottesdienst
Musik: Ruth M. Seiler, Orgel
Predigt: Pfarrer Bertold Becker

Donnerstag, 25. Juni
19.00 Uhr Friedensgebet
"Heilige Mutter Erde. Gebietsannexionen in Israel"
Pfarrer Bertold Becker und Team des Versöhnungsbunds

Sonntag, 28. Juni, 3. So. nach Trinitatis
10.15 Uhr Gottesdienst
Beginn der Sommerferien-Predigtreihe
"Kirche – (m)eine Zuversicht?"
Predigt: Pfarrer Bertold Becker

3. Kirche – (m)eine Zuversicht?

Predigtreihe in den Sommerferien 2020.

In besonderen Zeiten stellen sich alte Fragen neu. So fragen wir nach Gemeinschaften, denen wir zugehörig sind.
Wir fragen:
Was trägt und tröstet uns in Zeiten der Not?
Mit wem teilen wir unsere Freude? Unsere Gedanken?
Wie wichtig ist uns Gemeinschaft?
Was lässt uns weitergehen, wenn wir ins Stocken geraten?
Was gibt unserem Leben Sinn?
Besondere Zeiten regen an zum Nachdenken, zur Selbstvergewisserung und Neuorientierung.
Welche Bedeutung hat dabei unser Glaube? Welches Bedürfnis nach Gemeinschaft können wir wie und wo teilen?
Darum fragen wir nach Kirche.
Wer und was istsie? Wie und wo ist sie? Was will sie? Wem dient sie und wer dient ihr? Was ist ihre Zukunft – oder welche Zukunft ist ihre?
Sehen wir darauf voller Zuversicht?
Und welche Rolle spielen wir selbst?
In der Predigtreihe der Sommerferien 2020 fragen wir darum nach der „Kirche“.
Fragen umkreisen ein Thema und lohnen sich, ins Gespräch zu kommen.
Wir laden ein!


28.06.2020
Wer oder was ist Kirche?
Textbezug: Mk 1,14-15
Predigt: Pfarrer Bertold Becker

05.07.2020
Wer bestimmt, was Kirche ist?
Mt 28,16-20
Predigt: Prädikantin Friederike Kasack

12.07.2020
Welchen Auftrag hat die Kirche?
Mt 10,1-14
Predigt: Pfarrerin Dr. Christel Weber

19.07.2020
Wer dient der Kirche – und wem dient die Kirche?
Mt 25,31-40
Predigt: Pfarrer i.R. Dr. Gerhard Hille

26.07.2020
Von welcher Kirche träume ich?
Röm 14,17-19
Predigt: Superintendentin i.R. Regine Burg

02.08.2020
Braucht die Zukunft Kirche – und welche Kirche hat Zukunft?
Micha 4,1-5
Predigt: Pfarrer Bertold Becker

09.08.2020
Kirche trifft Kino – welche Beziehungen ergeben sich?
Predigt: Pfarrer Bertold Becker und Uwe Moggert-Seils


4. Pandemie – einst und jetzt

Hans-Peter Stähli schrieb in einem (Corona-)Tagebuch der Petruskirchgemeinde Bern (Schweiz), das von der Gemeindepfarrerin Barbara Preisig angeregt wurde, folgenden Beitrag, den wir hier gerne weitergeben:

                Pandemie – einst und jetzt

Im vergangenen Winter las ich ein Buch mit dem Titel «Der Schwarze Tod in Europa», das sich mit der Grossen Pest befasst, einer der grössten Katastrophen, die Europa zwischen 1346 und 1350 heimsuchte und rund ein Drittel der damaligen Bevölkerung Europas dahinraffte. Es interessierte mich brennend, weil wir gerade in den letzten zwei Jahren im Hinterland von Nizza mehrere aus dem 15. Jahrhundert stammende, dem heiligen Sebastian, dem Schutzpatron gegen die Pest, geweihte Kapellen besucht hatten und ich mich zudem schon vor x Jahren mit dem Thema etwas beschäftigt hatte, vor allem im Hinblick auf die damit verbundenen verheerenden Folgen für das Judentum.

Die Pest-Pandemie, die in den vierziger Jahren des 14. Jahrhunderts ihren Ursprung in China oder in einer Hochebene Zentralasiens hatte, gelangte über die Seidenstrasse und weiter auf dem Seeweg in die Mittelmeerhäfen Italiens und Frankreichs und verheerte, von da sich weiter ausbreitend, binnen weniger Jahre weite Landstriche Europas; ganze Dorfschaften wurden ausgelöscht, Städte verloren zum Teil mehr als die Hälfte ihrer Einwohnerschaft. In Bern, berichtet der Berner Chronist Konrad Justinger (gest. 1438), habe man 1349 beim grössten ‘Sterbet’, von dem man je gehört habe, an manchen Tagen „sechtzig lichen“ gezählt. Und kaum war der Pest-‘Tsunami’ vorbei, kamen schon die nächsten Wellen und verursachten neue schwere Verluste an Menschenleben. Im Jahr 1493, schreibt der Berner Stadtarzt und Chronist Valerius Anshelm (1475-1547), sei „ein sterben von der pestilenz kommen, in welchem in der stat Bern ob [über] 1500 menschen sind gestorben“ – dies bei einer Einwohnerzahl von etwa 5000 Personen. Alle Sicherheiten des täglichen Lebens brachen da mit einem Schlag weg, es herrschte eine schockartige Unsicherheit, Angst, Verzweiflung und Not. Woher, warum, wozu?

Kaum hatte ich das eindrückliche und zugleich beklemmende Buch über den Schwarzen Tod in Europa weggelegt, erreichten uns schon die ersten erschreckenden Meldungen über das gefährliche Coronavirus aus China, das, von leichter bis zu schwerer Krankheit, ja bis zu schmerzlichem tödlichem Ausgang führend, das gesundheitliche, soziale und wirtschaftliche Leben völlig umgekrempelt hat und die Verantwortlichen vor grösste Herausforderungen stellt. Mittlerweile sind Folgen für Gesundheit und Wirtschaft global wie in der Schweiz hinlänglich bekannt und spürbar. Covid-19, Social distancing, Lockdown, Tracing-Apps, FFP-Maske, Ratschläge für die ‘personnes vulnérables’, zu denen auch ich zähle, sind alltägliches Vokabular. Das Wort ‘Quarantäne’ hat eine neue Dringlichkeit erhalten, erinnert es doch direkt an die von der vierzigtägigen Buss- und Fastenpraxis der Kirche übernommene und kopierte ‘Quarantäne’, die erstmals 1374 in Venedig über einlaufende Schiffe verhängt wurde. Und Bilder von Militärcamions, die in Bologna massenhaft Särge mit Toten abholen, um sie in Krematorien in anderen Provinzen zu bringen, wecken grauenvolle Erinnerungen an das Pestflorenz von 1348, dessen Bevölkerung damals auf etwa die Hälfte dezimiert wurde. Giovanni Boccaccio (1313-1375), selber Zeuge der Pandemie, hat das Erlebte literarisch in seinem Decamerone verarbeitet und beschreibt in schonungsloser Weise die unvorstellbar verheerenden Auswirkungen der Pest. Nein, da war nachher nichts mehr wie vorher. Und auch jetzt – wird nachher nicht mehr alles gleich sein wie vorher?

Für die Katastrophe waren damals die Schuldigen schnell ausgemacht. Noch ehe die Pest irgendwohin gelangte, wusste man: Es sind die Juden. Selbst Papst Clemens VI. konnte mit seiner Bulle, die er gegen die Anschuldigungen schrieb, nichts ausrichten, und sein Hinweis, die Juden hätten wie die Christen Pestopfer zu beklagen und diese Geissel Gottes wüte auch in Gegenden, wo es gar keine Juden gebe, nützte nichts – es waren die Juden. Den Beweis hatte man auch prompt zur Hand. In abstrusen Verschwörungstheorien (so würde man heute sagen) verbreitete sich die Meldung, die Juden würden, von Südfrankreich ausgehend, über Savoyen und die Schweiz nach Norden ziehend, die Brunnen vergiften, aus denen die Christen ihr Wasser holten. Und der Chronist Justinger berichtet, wie „von disem sterbot die juden verlümdet wurden, daz si in alle welt gift in die wasser und brunnen leiten, darumb der sterbot komen were; darumb alle juden bi hundert milen verbrent wurden.“ Ehrlicherweise sagt er, die Juden seien „verlümdet“ worden. Die Folgen sind bekannt: Es begann die schlimmste Verfolgung und Vernichtung von Juden in Europa vor der in der Shoa des 20. Jahrhunderts systematisch organisierten Ausrottung des Judentums. Nun haben wir moderne Menschen mittelalterliche Abstrusitäten von Giftmischerei-Anschuldigungen längst hinter uns gelassen. Jedoch: stehen nicht auch wir oft in der Versuchung, bei Problemen, zumal in Krisenzeiten, recht schnell die Schuldigen zu kennen? Und wieviel ‚Giftmischerei‘ ist da nicht selten mit dabei? Die Kapitalisten, die da oben, die Ausländer, die unsere Arbeitsplätze gefährden, die Migranten, die an überfüllten Zügen schuld sind, Strassen verstopfen und die Luft verpesten, usw. usw. Und jetzt, in der aktuellen Coronakrise? Muss es nicht auch da Schuldige geben, auf die wir zeigen können, Sündenböcke für die Seuche, die Menschen sterben lässt und deren Bekämpfung für Arbeitslosigkeit und Einbrüche in der Wirtschaft sorgt? Und schon tauchen auch jetzt, neben durchaus berechtigter und ernst zu nehmender Kritik, abstruse Verschwörungstheorien und (wieder) antisemitische Stereotypen in erschreckender Weise auf. „Coronavirus heißt Judenkapitalismus“, war in Bamberg auf einem Pappschild zu lesen; in hanebüchenen Vergleichen wird der Holocaust verharmlost, wenn Protestierende eine Maskenpflicht heute mit der Pflicht des Tragens eines Judensterns vergleichen; in Bern erhob jemand, wie die Zeitung berichtet, bei einer Demonstration die Hand zum Hitlergruss gegen die Unterdrückenden da oben. Wohlgemerkt, es geht nicht darum, Dinge, gerade auch in Krisenzeiten, beim Namen zu nennen. Aber hüten wir uns, vorschnell in moralischer Besserwisserei oder gar in menschenverachtender Art Schuldzuweisungen zu machen.

Dass die tödliche Pest Geissel und Strafe Gottes war, stand für die damaligen Menschen ausser Zweifel. In Bern sah der Chronist Anshelm darin die Strafe für den sittlichen und moralischen Zerfall der Berner Bevölkerung nach den Burgunderkriegen von 1475/76. Und heute? Sicherlich wird man in und nach einer Krisensituation wie der jetzigen innehalten und vieles, auch Fehlentwicklungen, nicht nur überdenken können, sondern müssen. Aber Coronavirus eine Strafe Gottes? Kann es sein, dass all die von der Krankheit Betroffenen und von ihr Hingerafften zusammen mit ihren trauernden Angehörigen, all die wirtschaftlich Geschädigten nicht nur für sich, sondern stellvertretend zugleich für die vielen, die unbehelligt durch die Krise kommen, bestraft werden? Und sollte die Pandemie sogar noch einen tieferen religiösen Sinn haben? Wer dies ganz für sich selbst so deuten möchte, mag es tun. Doch was für ein Bild eines zornigen und denn auch noch ungerecht parteiisch strafenden Gottes?! Wer wollte in Art Hiobscher Freunde in dieser Weise mit vom Virus betroffenen und heimgesuchten Menschen sprechen? „Wer hat denn in der Versammlung des HERRN gestanden, dass er sein Wort gesehen und gehört hätte?“ (Jer 23,18) Vom „Mut zur Sinnlosigkeit“ hat Barbara Preisig geschrieben und dazu aufgerufen und ermutigt. Ein in aller Verletzlichkeit des Lebens, in aller Anfechtung, allem Zweifel ausgesprochenes „Warum?“ und ein wenn auch zaghaftes und stammelndes „Nun aber bleibe ich stets bei dir, du hältst mich an deiner rechten Hand“ (Psalm 73,23) dürfte der Krise angemessener sein.

Und ein letztes: Im vergangenen Jahr jährte sich zum fünfhundertsten Mal der Beginn der Zwinglischen Reformation in Zürich. Kaum war Zwingli 1519 an seinem neuen Wirkungsort angekommen, wurde Zürich von einer der schlimmsten Pestwellen heimgesucht, die auch Zwingli, der ihrer ungeachtet sein Seelsorgeamt weiter ausübte, erfasste und an den Rand des Todes brachte. Als er nach Monaten wieder genesen war, verfasste er das von ihm selbst vierstimmig vertonte ‘Pestlied’, das „erste evangelische Glaubenslied“, wie ein Zwingliforscher es nannte, das, mit der Klage anhebend, der Bitte um Trost fortfahrend und dem Lob Gottes endend, viele durch Not und Anfechtung hindurch begleitet hat und weiter begleiten wird.

     Hilf, Herr Gott, hilf in dieser Not;
     An meine Tür klopft an der Tod.
     Steh du mir bei zu dieser Frist,
     Herr Jesus Christ,
     der du des Todes Sieger bist.
     Tröst, Herr Gott tröst, die Krankheit steigt,
     und Seel und Leib dem Schmerz sich beugt.
     Nach deiner Gnad steht mein Begehr;
     zu mir dich kehr;
     Denn ausser dir ist Hilf nicht mehr.
     Gesund, Herr Gott, ich bin gesund.
     Es preiset dich mein Herz und Mund.
     Ins Leben wiederum ich kehr;
     dein Lob und Lehr
     will ich verkünden immer mehr.
              (Text nach Ev.-ref. Gesangbuch Nr. 713)


5. Konfiarbeit in Süster

Mittwoch 17. Juni
18.00 Uhr Süsterkirche
Vorgespräch zum neuen Konfi-Jahrgang 2020-2022

Freitag, 19. Juni
17.00–18.30 Uhr Süsterkirche
Konfi-Zeit

Samstag, 20. Juni    
10–12.30 Uhr Süsterkirche
Katchu-Zeit

Konfiarbeit ist auf keinen Fall ein kirchlicher „Unterricht“. Vielmehr begeben sich die Jugendlichen und Pastor Becker auf einen gemeinsamen Entdeckungspfad mit interessanten Fragen, alten, geheimnisvollen Texten und gleichaltrigen Weggefährtinnen und -gefährten. Die alten Fragen nach Gott und der Welt, nach Vertrauen und Freundschaften, nach Glauben und Wünschen werden neu gestellt. Die Gruppen machen Exkursionen in die Umgebung, einige Freizeiten und
übernachten in der alten Süsterkirche. Die Konfi-Zeit endet jeweils mit der Konfirmation im Mai.

Normalerweise trifft sich die Konfi-Gruppe einmal im Monat freitags von 17.00–20.30 Uhr und die Katchu-Gruppe monatlich einmal samstags von 10.00–15.00 Uhr.

In Corona-Zeiten gab es bisher kein Treffen ... Das soll sich ändern.
Am Freitag, 19. Juni sind die Konfirmandinnen und Konfirmanden zu einem Treffen in die Süsterkirche eingeladen, am Samstag, 20. Juni die Katchus. Nach den Sommerferien werden wir wissen, wie es weitergeht. Wir planen, dass die Spiekeroog-Freizeit in den Herbstferien 2020 vom 16.–21.10. 2020 stattfindet. Von der Gemeinde großzügig finanziell unterstützt können tatsächlich immer alle Jugendliche mitfahren. Hier wissen wir nicht, ob die Freizeit tatsächlich möglich sein wird – aber wir planen es!


Ein neuer Jahrgang startet nach den Sommerferien. Zu einem Vorgespräch in der Süsterkirche sind ein Elternteil und die und der Jugendliche zu einem Vorgespräch am Mittwoch, 17. Juni um 18 Uhr in die Süsterkirche eingeladen. Wer immer Interesse hat, ist herzlich willkommen!


6. Gruppen und Kreise

Montag, 22. Juni 2020
15.00 Uhr – Süsterkirche – Seniorentreff und Männerkreis
Der Seniorentreff und Männerkreis, der mit Liebe von einem Team um Elisabeth Plassmann und Hilde Schang geleitet wird, hat seine Treffen ausgesetzt. Nach den Sommerferien könnte es im August mit veränderten Rahmenbedingen weitergehen... Bis es soweit ist, sind alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Montag, 22. Juni um 15 Uhr in die Süsterkirche eingeladen. Besinnung und Musik, Informationen und Getränke stärken die Gemeinschaft und helfen in der Durststrecke durch die Sommerpause.

Mittwoch, 24. Juni
16.00 Uhr – Süsterkirche – Frauenkreis
Was für den Seniorentreff und Männerkreis gilt, das trifft in gleicher Weise auch den Frauenkreis. Bisher sind alle Programmpunkte ausgesetzt.
Wie es im August weitergeht, ist zwar in Planung, aber ob es auch so wird?
In der Zwischenzeit trifft sich der Frauenkreis einmal am Mittwoch, 24. Juni um 16 Uhr in der Süsterkirche und teilt Thema, Zeit, Besinnung, Musik und Begegnung.


7. Gottesdienste mit Schutzkonzept

Das Presbyterium ist sich in der Zeit der Gefährdung seiner besonderen Verantwortung für den Schutz des Lebens bewusst. Darum gelten in der Süsterkirche besondere Maßnahmen, die Infektionsrisiken minimieren und Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern größtmöglichen Schutz gewähren.
Die Plätze in der Süsterkirche sind so reduziert, dass Abstandsregel nach allen Seiten eingehalten werden können. Gemeinsame Plätze für Hausgemeinschaften sind dabei vorgesehen. Das bedeutet, dass nicht mehr als 40-50 Personen Gottesdienste feiern können.

Beim Eintreten in die Kirche wird auf ausreichenden Abstand geachtet, der auch schon vor der Kirchentür beginnt. Die Seitentüre dient als weiterer Ausgang.
Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden in geeigneter Weise so erfasst, dass im Falle eines Falles alle verständigt werden können.
Unsere Kirche ist ein öffentlicher Raum. Darum sind alle Teilnehmerinnen und Teilnehmern gebeten, Mund-Nase-Bedeckungen mitzubringen und beim Hinein- und Herausgehen zu tragen. Am Eingang werden wir auch Bedeckungen vorhalten, so dass alle, die kommen, einen Mundschutz tragen können.
Beim Eintreten in die Kirche sind wir zudem gebeten, die Hände zu desinfizieren.
Im Gottesdienst nutzen wir keine Gesangbücher und werden bis auf Weiteres auch nicht singen, um die Infektionsgefährdung so gering wie möglich zu halten.
Stattdessen werden wir uns durch Wort und Musik ermutigen und trösten lassen.
Auf das gemeinsame Abendmahl werden wir vorerst verzichten müssen, ebenso auf eine Kollekte in den Reihen. Am Ausgang steht für die Kollekte ein Körbchen bereit.
Es versteht sich von selbst, dass wir Türgriffe, Handläufe, Toiletten desinfizieren, um auch hier ein Ansteckungsrisiko zu minimieren.
Mit einem solchen Konzept feiern wir miteinander Gottesdienste – und jede und jeder ist dabei ausreichend geschützt.

Wir freuen uns über die Form der Gemeinschaft, die sich im Gottesdienst zeigt, aber über ihn hinausweist und nicht von ihm abhängt.
Wer mag, kann im Innenhof beim Open-Air-FairStand unseres Weltladens Kaffee und Tee, Schokolade und mehr erwerben. Auch hier achten wir auf ausreichend Abstand.
 


8. Spendenaktion des Stadtkantorats für freischaffende MusikerInnen


Vom Evangelischen Stadtkantorat, das die Kirchenmusik in unserer Gemeinde verantwortet, erreichte uns folgender Spendenaufruf, den wir von Herzen gerne weitergeben:

„Freischaffend tätige Musiker sind in diesen Wochen und Monaten besonders hart von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen. Durch die Absage von Konzerten, musikalischen Gottesdiensten, Unterricht etc. bleiben sämtliche Honorare aus.
Auch vom Evangelischen Stadtkantorat und von „Kirche macht Musik“ musste für die Vergangenheit und muss vermutlich auch noch für längere Zeit in der Zukunft vielen Musikern abgesagt werden. (Kantatengottesdienste, Bielefelder Nachtansichten, Pfingstkonzert, Stimmbildung, Instrumentalunterricht, Jungbläserausbildung  etc.)
Wir wollen, dass alle die Musiker, die uns in den letzten Jahren durch ihr Singen, Spielen oder Unterrichten bereichert haben, auch nach der Corona-Krise wieder mit uns arbeiten können. Bis dahin brauchen sie unsere Unterstützung!
Helfen Sie mit und spenden Sie, damit wir „unsere“ Musiker unterstützen können! Wir danken für Ihre Spende auf das Konto


Kirchenkreis Bielefeld
IBAN DE42 3506 0190 2006 6990 68 BIC: GENODED1DKD Verwendungszweck (bitte unbedingt angeben!): Coronahilfe Musiker_W462C


Wenn Sie zusätzlich Ihren Namen und Ihre Adresse angeben, erhalten Sie umgehend eine Spendenbescheinigung.


Ganz herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!“


Wenn Sie diese E-Mail (an: unknown@noemail.com) nicht mehr empfangen möchten, können Sie diese hier kostenlos abbestellen.

 

Pfarrer Bertold Becker
im Auftrag des Presbyteriums der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde Bielefeld
Süsterplatz 2
33602 Bielefeld
Deutschland

0170-9630787
bertold.becker@kirche-bielefeld.de