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Liebe Leserin, lieber Leser,

„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ (Psalm 98,1)


Wenn in der Bibel vom Gesang die Rede ist, dann wird die Barmherzigkeit Gottes besungen.
Texte, die von vielstimmigem Gesang erzählen, loben den Frieden und die Güte Gottes.
Der Gesang will diesen Frieden ausbreiten und ihn hörbar machen in der Welt.
Bei einem Text im Buch der Chronik verschmilzt der Lobgesang vieler Sängerinnen und Sänger zu einer so wunderschönen Melodie, dass Gott selbst sich aufmacht und seine Herrlichkeit als einen großen Nebel sichtbar macht.

Singet Gott, singt der heiligen Kraft, singt dem Lebensgrund,
singt ein neues Lied, denn die Barmherzigkeit Gottes – ihre Güte – tut Wunder!

„Singt dem Herrn ein neues Lied!“
Heute, am 8. Mai 2020, an dem Tag, an dem wir diesen Newsletter versenden, sind wir noch immer bestürzt über die alten Lieder, die bis 1945 gesungen wurden. Es waren Schlachtrufe und Marschmusik mit Todesfolge für Millionen. Zu viele stimmten hier ein.
Eine Musikrichtung dieser Zeit, in der polyphon, also mit vielen Stimmen gleichberechtigt ineinander, nebeneinander und miteinander Musik erklang, war längst als „entartet“ verboten worden.
„Singet dem Herrn ein neues Lied!“ – Das Lied der Herren mit der Nazi-Melodie brachte der Welt den Tod.

Mit der Kapitulation Deutschlands vor 75 Jahren ist das alte Lied endlich zum Schweigen gebracht worden! Ein Neuanfang wollte und sollte andere Melodien und Kompositionen hörbar machen. In allem aber sollte die Melodie des Friedens erklingen: Nie wieder Krieg!

Die Vereinten Nationen gegründeten sich und beschlossen in einer von fast allen Staaten unterzeichneten Charta im Juni 1945 Großartiges:
„Alle Mitglieder legen ihre internationalen Streitigkeiten durch friedliche Mittel so bei, dass der 
Weltfriede, die internationale Sicherheit und die Gerechtigkeit nicht gefährdet werden. Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt.“
Keine und keiner hätte sich im Mai 1945 vorstellen können, dass nur zehn Jahre später Deutschland wieder bewaffnet wird. Eingebunden in die jeweiligen Militärlager wurde wieder ein effektives Töten geübt.
Als 1989 mit dem Fall der Mauer der Konflikt zwischen Kapitalismus und Kommunismus, zwischen Ost und West Spaltungen überwand, endeten die großen Kriegspannungen des zweiten Weltkrieges in Europa.
Ein neues Lied konnte angestimmt werden – ein Lied der Versöhnung und Verständigung zwischen Ost und West ...
Weder 1945 noch 1989 hätte sich keine und keiner vorstellen können, dass 75 Jahre nach dem europäischen Ende des Krieges und mehr als 30 Jahre nach dem Mauerfall die Summe der Militärausgaben der Welt ein nie dagewesenes Ausmaß erreichen würde.
Die Kriegswaffenverkäufe Deutschlands sind wieder auf Rekord-Niveau.

„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“.
Wann tut der Herr Wunder? – Ist die Frage vielleicht falsch gestellt?
Gilt sie vielmehr uns? Wann tun wir Wunder – und verzichten auf Aufrüstung und Abschreckung?
Wann tut diese Welt ein Wunder und überwindet Hunger und seine vermeidbaren Krankheiten? Wann hören wir mit den irrsinnigen Rüstungsausgaben auf, die keinen produktiven Nutzen haben, sondern Ressourcen verbrauchen und letztlich mit verantwortlich sind für Kriege, Leid und Flucht auf dieser eigentlich so wunderbaren, vielfältigen Welt.
Wir brauchen diese Mittel an Intelligenz und Geld an so vielen lebenserhaltenden Aufgaben.

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!
Singet ein neues Lied, das die Barmherzigkeit und den Frieden preist.
Singet ein Lied, das dem Heiligen geweiht ist und nicht dem Mammon!

Heute, 75 Jahre nach dem europäischen Ende des Weltkrieges, stehen wir wieder vor einem radikalen Einschnitt: Corona-Zeiten haben die ganze Welt verändert.
Alte Melodien sind leiser geworden.
Welches neue Lied könnten und wollen wir anstimmen?
Welche andere Melodie wollen wir singen? Wer könnte komponieren? Wer könnte dirigieren?
Vielleicht erklingt sie, wenn wir, die Vielen, in unseren jeweiligen Stimmlagen und Melodiebögen ein neues Lied anstimmen. Vielleicht erklingt zunächst zart, aber dann doch immer mehr ein gemeinsamer Gesang der Würde und Friedfertigkeit, der Solidarität und internationaler Gemeinschaft.

Ich hoffe darauf.
Singet Gott ein neues Lied, ihre Kraft tut Wunder!


Am 10. Mai werden wir zaghaft beginnen, Gottesdienste zu feiern.
Wir haben Schutzmaßnahmen beschlossen, die die Gefahr einer gemeinsamen Ansteckung minimieren und allen Besucherinnen und Besucher des Gottesdienstes größtmöglichen Schutz gewähren. (s.u.)
Wir werden darum nicht singen können am Sonntag Kantate.
Und doch wollen wir einstimmen in das Lob der Barmherzigkeit Gottes, denn wir glauben daran, dass seine Güte Grund und Quelle allen Lebens ist.
Wir folgen den alten Texten und suchen nach ihren Melodien der Freiheit und Würde, der Gerechtigkeit und des Friedens ...

In diesem Sinne grüße ich ganz herzlich zum Sonntag Kantate!

Ihr
Bertold Becker


Überblick über diesen Newsletter:
  1. „Singet dem Herrn ein neues Lied...“
  2. Vergesset nicht, Freunde – Ein Text von Marie Luise Kaschnitz
  3. Ohne Macht?  Ein Text von Kurt Marti
  4. Wir, deine Verstecke – Ein Text von Kurt Marti
  5. in Schwachheit vollendet – Ein Text von Paulus
  6. Singen ist Leben! Leben ist nicht gebunden an Erfolg. – Ein Text von D. Sölle
  7. Suchen! – Ein Text des Evangelisten Matthäus
  8. Gottesdienste mit Schutzkonzept
  9. Spendenaktion des Stadtkantorats für freischaffende MusikerInnen

2. Vergesset nicht, Freunde – Ein Text von Marie Luise Kaschnitz

Vergesset nicht
Freunde
wir reisen gemeinsam

besteigen Berge
pflücken Himbeeren
lassen uns tragen
von den vier Winden

Vergesset nicht
es ist unsre
gemeinsame Welt
die ungeteilte
ach die geteilte

die uns aufblühen lässt
die uns vernichtet
diese zerrissene
ungeteilte Erde
auf der wir
gemeinsam reisen.


3. Ohne Macht? - Ein Text von Kurt Marti

Machtverhältnisse

Die ohne macht
Machen
Die mächtigen

Was
Machen
Die mächtigen
Machten
Die ohne macht
Nicht
Was die mächtigen
Machen

Mächtiger sind
Als die mächtigen
Die ohne macht


4. Wir, deine Verstecke – Ein Text von Kurt Marti

großer gott:
uns näher
als haut
oder halsschlagader
kleiner
als herzmuskel
zwerchfell – oft:
zu nahe
zu klein –
wozu
dich suchen
wir:
deine verstecke


5. in Schwachheit vollendet – Ein Text von Paulus

„Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung.“ (2. Kor 12,9)


6. Singen ist Leben! Leben ist nicht gebunden an Erfolg.
– Ein Text von Dorothee Sölle:

„Jede kritische Minderheit, die zum anderen Leben beitragen will, muss sich mit der Frage nach dem Erfolg auseinandersetzen.

Bewertet werden Entscheidungen über mögliches Handeln innerhalb der vom Marktdenken beherrschten Welt unter einem einzigen Kriterium, dem des Erfolgs...

Martin Buber, der große jüdische Religionsphilosoph, sagt: „Erfolg ist kein Name Gottes. Gott kann nicht in den Kategorien der Macht benannt werden.“

...

Frei werden, das EGO loslassen als Christ und Christin heißt, den Zwang zum Erfolg hinter sich zu lassen ... das letzte Kriterium der Beteiligung an widerständigem Verhalten kann nicht der Erfolg sein, das hieße, immer noch nach der Melodie der Mächtigen dieser Welt zu tanzen.

„Ich-los“, „frei“ werden heißt auch, den Agenten der Macht IN uns wegschicken, der uns von der Aussichtslosigkeit des Projektes „Reich Gottes” überzeugen will.

Thomas Merton, Mönch in einem US Trappistenkloster und führender Gegner des Vietnamkrieges schrieb 1966 an einen Freund:

„Mache dich nicht selbst abhängig von der Hoffnung auf Erfolge. Du musst damit rechnen, dass all dein Bemühen womöglich fruchtlos bleibt oder sich ins Gegenteil auswirkt.
Rechne mit dieser Möglichkeit.
Wenn Du dich daran gewöhnst, wirst du dich allmählich mehr auf den Wert, auf das Richtigsein, auf die Wahrheit deiner jeweiligen Arbeit konzentrieren und immer weniger auf ihre Ergebnisse.
Dann kannst du offener für die Kraft sein, die durch dich wirken will, ohne dass du es weißt.“
(Nach Dorothe Sölle, Mystik und Widerstand, Hamburg 1997, S 288f)


7. Suchen! – Ein Text des Evangelisten Matthäus

„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere dazugegeben werden.“ (Mt 6,33)


8. Gottesdienste mit Schutzkonzept

Für die Wiederaufnahme der Gottesdienste haben wir ein besonderes Schutzkonzept erstellt, das die Gefahr einer gemeinsamen Ansteckung minimiert und allen Besucherinnen und Besuchern des Gottesdienstes größtmöglichen Schutz gewährt.

Wir haben die Plätze in der Süsterkirche so reduziert, dass die Abstandsregel nach allen Seiten eingehalten werden kann. Gemeinsame Plätze für Hausgemeinschaften sind dabei vorgesehen.
Das bedeutet aber, dass wir mit nicht mehr als 40-50 Personen Gottesdienste feiern können. Was wir tun, wenn wir immer wieder deutlich mehr sind, werden wir dann überlegen ...

Wir werden beim Eintreten in die Kirche auf ausreichenden Abstand achten, der auch schon vor der Kirchentür beginnt. Wir werden die Seitentüre als weiteren Ausgang öffnen ...
Wir werden alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in geeigneter Weise erfassen, so dass im Falle eines Falles alle verständigt werden können.

Unsere Kirche ist ein öffentlicher Raum. Darum sind alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gebeten, Mund-Nase-Bedeckungen mitzubringen und zu tragen. Am Eingang werden wir auch Bedeckungen vorhalten, so dass alle, die kommen, einen Mundschutz tragen können.
Liturgen sind von der Tragepflicht während des Gottesdienstes ausgenommen.

Beim Eintreten in die Kirche sind wir zudem eingeladen, die Hände zu desinfizieren. Dazu werden Spender vorgehalten. Zugleich sind wir bei der Desinfektion gerne behilflich.
Im Gottesdienst nutzen wir keine Gesangbücher und werden bis auf Weiteres auch nicht singen, um die Infektionsgefährdung so gering wie möglich zu halten.

Stattdessen werden wir uns durch Wort und Musik ermutigen und trösten lassen.

Auf das gemeinsame Abendmahl werden wir vorerst verzichten müssen, ebenso auf eine Kollekte in den Reihen. Am Ausgang steht für die Kollekte ein Korb bereit.

Es versteht sich von selbst, dass wir Türgriffe, Handläufe, Toiletten desinfizieren, um auch hier ein Ansteckungsrisiko zu minimieren.

Bedauerlich ist auch, dass wir zu einem Kirchenkaffee nicht einladen können.
Stattdessen sind wir gebeten, nach dem Gottesdienst die Kirche ohne Gespräche zu verlassen.

Mit einem solchen Konzept erwarten wir, dass wir miteinander Gottesdienste feiern können und jede und jeder dabei ausreichend geschützt ist.

Wir freuen uns in jedem Fall auf die Form der Gemeinschaft, die sich im Gottesdienst zeigt, aber über ihn hinausweist und nicht von ihm abhängt.

Wer mag, kann im Innenhof beim Open-Air-FairStand unseres Weltladens Kaffee und Tee, Schokolade und mehr erwerben. Auch hier achten wir auf ausreichend Abstand.


9. Spendenaktion des Stadtkantorats für freischaffende MusikerInnen

Vom Evangelischen Stadtkantorat, das die Kirchenmusik in unserer Gemeinde verantwortet, erreichte uns folgender Spendenaufruf, den wir von Herzen gerne weitergeben:

„Freischaffend tätige Musiker sind in diesen Wochen und Monaten besonders hart von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen. Durch die Absage von Konzerten, musikalischen Gottesdiensten, Unterricht etc. bleiben sämtliche Honorare aus.
Auch vom Evangelischen Stadtkantorat und von „Kirche macht Musik“ musste für die Vergangenheit und muss vermutlich auch noch für längere Zeit in der Zukunft vielen Musikern abgesagt werden. (Kantatengottesdienste, Bielefelder Nachtansichten, Pfingstkonzert, Stimmbildung, Instrumentalunterricht, Jungbläserausbildung  et.ct.)
Wir wollen, dass alle die Musiker, die uns in den letzten Jahren durch ihr Singen, Spielen oder Unterrichten bereichert haben, auch nach der Corona-Krise wieder mit uns arbeiten können. Bis dahin brauchen sie unsere Unterstützung!
Helfen Sie mit und spenden Sie, damit wir „unsere“ Musiker unterstützen können! Wir danken für Ihre Spende auf das Konto

Kirchenkreis Bielefeld
IBAN DE42 3506 0190 2006 6990 68 BIC: GENODED1DKD Verwendungszweck (bitte unbedingt angeben!): Coronahilfe Musiker_W462C

Wenn Sie zusätzlich Ihren Namen und Ihre Adresse angeben, erhalten Sie umgehend eine Spendenbescheinigung.
Ganz herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!“


Wenn Sie diese E-Mail (an: unknown@noemail.com) nicht mehr empfangen möchten, können Sie diese hier kostenlos abbestellen.

 

Pfarrer Bertold Becker
im Auftrag des Presbyteriums der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde Bielefeld
Süsterplatz 2
33602 Bielefeld
Deutschland

0521-68248
gemeinde@reformiert-bi.de